Freitag, 11. August 2017

Smolensk

10. August 2017 Fahrt von Moskau nach Smolensk durch schöne Landschaft.

In Smolensk Blumenniederlegung an der Ewigen Flamme für gefallene Soldaten, zwei Einwohnerinnen mit Deutschkenntnissen führen uns durch den Stadtkern, Abendessen in der vom Hotel Rossia nächstgelegenen Gaststätte.








Ankunft in Smolensk. Die Teilnehmer der Freundschaftsfahrt aus Deutschland und weiteren 15 Ländern wirken immer wie ausschwärmende Ameisen die aus 2 Bussen und mehreren Kleinbussen und Pkw quellen.


Anne mit der Doppelfahne Weiß-Blau-Rot-Schwarz-Rot-Gold
Am 15.08.17 hinzugefügt: In Russland war es nirgendwo ein Problem, mit dieser Doppelfahne - unangekündigt und unangemeldet - aufzutreten. Das Fahnentuch wurde von einigen Fotografen und Videokameraden gern als Vordergrund für ihre Aufnahmen verwendet.

In Deutschland ist das ganz anders. Gestern Abend ging ich zur Montagsmahnwache auf den Jorge-Gomondai-Platz in Dresden. Ich trug die Doppelfahne zusammengerollt über der Schulter die Böhmische Straße entlang. Da bremste ein Fahrer im schwarzen VW Golf kurz und rief aus dem Fenster: "Warum trägst Du nicht die tschetschenische Fahne von Kadyrow?" Ich zurück: "Weil ich nicht zu denen gehöre." Am Albertplatz ging ich mit zwei Männern über den Fußgänger-Überweg, die sprachen nicht nur deutsch, sondern auch englisch und russisch und stellten sich als Tschetschenen vor. Der eine fragte: "Warum diese beiden Fahnen zusammen?" Ich: "Gestern bin ich von einer Friedens- und Freundschaftreise aus Russland zurückgekehrt. Ich möchte jetzt auf der Friedensmahnwache über die vielen, vielen Begegnungen zwischen russischen und deutschen Menschen berichten." Er: "Aber warum die russische Fahne oben und die deutschen unten?" Der tschetschenische Dauerkonflikt ist also auch hier - das war mir nicht so bewusst.

Auf dem Jorge-Gomondai-Platz ließ ich die Doppelfahne zusammengerollt auf dem Pflaster liegen, weil die Organisatoren der Montagsmahnwache sagten, sie würden überhaupt keine Fahnen zulassen, gleich welcher Art, weil das immer zu Konflikten führe. Die wilden Diskussionen, die Nationalflaggen auslösen, insbesondere die schwarz-rot-goldene, sind wohl in Dresden Dauerthema, aber ich habe das immer als albernes Gezänk abgetan. Ich sollte mich täuschen.

Als ich nach der Mahnwache und der Versammlung der Dresdner DiEM-25-Gruppe gegen 10 mit der zusammengerollten Doppelfahne nach Hause wollte, versperrte mir kurz davor, am Cafe Laika, ein stämmiger junger Mann den Weg und sagte: "Nimm deine Fahne und dreh um. Hier kommst du nicht durch." Die nachfolgende Diskussion kann ich nicht wörtlich wiedergeben, denn sie war lang und wurde von beiden Seiten relativ hitzig geführt. Ich sagte etwa: Hör mal, diese Fahne konnte ich einfach so auf dem Roten Platz in Moskau und an der Kreml-Mauer offen tragen. Ist das in Deutschland nicht möglich, auch wenn wir keinen Roten Platz haben? Er sagte: Ich kenne euch. Ich hab mir das im Internet angesehen. Wieso seid ihr gegen die Nato? Ich sagte: diese beiden Fahnen stehen nicht für Frau Merkel und Herrn Putin, sondern für die Freundschaft zwischen Deutschen und Russen. Die Nato baut überall neue Stützpunkte, und das führt zu weiteren Kriegen. Libyen, Syrien und so. Viele Menschen müssen fliehen. Er sagte so etwas wie 'Ah, du hast was gegen Migranten?' Ich: Du kannst sie von mir aus alle bei dir zuhause aufnehmen. Er sagte so etwas wie 'Deutschland und Deutsche, das gibt es doch nicht' ... 'Ja, eine deutsche Sprache gibt's, aber Deutsche kannst du knicken.' Dann ging die Diskussion noch ein bisschen über Schubkästen im Kopf. Dann: Ihr seid doch Querfront. Ich: Ach ja, das ist auch so ein schönes Schimpfwort, wird oft von Rechten gebraucht, aber auch von Linken. Zum Schluss sagte ich: Lass mich bitte hier durch, sonst hole ich die Polizei. Du drehst jetzt mit deine Fahne um. ... Lass mich jetzt hier durch, ich will nach Hause, ich wohne da. Er: Auch das noch, du wohnst hier! Und er ließ mich endlich durch.

Ich hatte das Gefühl, dass hier ein selbsternannter Scharia-Polizist  in meinem Stadtteil steht, der darauf achtet, dass alle das tun und sagen, was in seinem Kopf als richtig gilt. Er sagte es nicht, aber womöglich wollte er den Alaunplatz vor der Pegida retten, wer weiß. Von drei jungen Männern, die am Cafe-Tisch auf der nächtlichen Straße neben ihm saßen, wurde er sekundiert, indem sie immer lachten, wenn er etwas sagte. Ich war sehr enttäuscht von meinem Stadtteil, dessen Menschen sich immer als sehr weltoffen sehen. Es gilt offensichtlich nicht nur die Devise "Die Neustadt bleibt dreksch", um sich gegen die "Yuppis" und die Gendrifizierung zu stellen. In faschistoider Manier versucht man auch noch mich zu zwingen, das freie Denken aufzugeben.









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